Workshop: „Alltagsväter?“ Männliche Sorgebeziehungen in historischer Perspektive seit 1950
Am 20. und 21. September 2021 veranstaltet die Professur für Wirtschafts- und Sozialgeschichte am Historischen Seminar des Zentrums für Europäische Geschichts- und Kulturwissenschaften (ZEGK) der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg einen Workshop zu männlichen Sorgebeziehungen in historischer Perspektive.
Der Workshop befasst sich mit Kontinuitäten und Brüchen in Leitbildern und Alltag der Vaterschaft in der Bundesrepublik und der DDR seit 1950. Im Rahmen des Workshops erhalten sechs Historiker*innen und Sozialwissenschaftler*innen die Gelegenheit, ihre Projekte zur Diskussion zu stellen. Ein zentraler Ausgangspunkt hierfür ist die konstatierte Diskrepanz zwischen Leitbild, Einstellungen und Praxis in den väterlichen Sorgebeziehungen: Warum blieb die Beteiligung von Vätern an der Sorgearbeit für Kinder trotz großer Veränderungen im gesellschaftlichen Väterleitbild und in den individuellen Einstellungen gering? Überdies setzen sich die Vortragenden damit auseinander, welche Quellen sich eignen, um die Qualität, Intensität und Veränderungen der Sorgebeziehungen zwischen Vätern und Kindern zu erforschen.
Die Vorträge verdeutlichen zu welchen Zeitpunkten und aus welchen Gründen sich Vaterschafts-Leitbilder änderten und welche Diskurse und Akteure diesen Wandel in der Bundesrepublik und der DDR begleiteten. Neben diesen Brüchen in gesellschaftlichen Väterbildern werden Kontinuitäten väterlichen Handelns vor dem Hintergrund gesellschaftlicher und arbeitsmarktpolitischer Rahmenbedingungen wie Arbeitszeiten, Arbeitsmarktlage und Müttererwerbstätigkeit diskutiert. Dabei wird eine interdisziplinäre Verständigung zwischen historischen und sozialwissenschaftlichen Zugängen angestrebt. Nicht zuletzt werden theoretische und methodische Ansätze diskutiert, die es ermöglichen, eine Alltagsgeschichte von Vaterschaft zu schreiben.
Der Workshop richtet sich an Interessierte und Forschende aus den Geistes- und Sozialwissenschaften. Um Anmeldung wird bis spätestens zum 1. August 2021 per Email an gina.fuhrich@zegk.uni-heidelberg.de gebeten. Aufgrund der gegenwärtigen Pandemie-Situation wird der Workshop online stattfinden. Der entsprechende Link wird allen Teilnehmer*innen rechtzeitig vor Beginn der Tagung mitgeteilt.
Programm
Montag, 20. September 2021:
14:00 Begrüßung und Vorstellungsrunde
14:30 Einführungsvortrag: Prof. Dr. Till van Rahden (Université de Montréal): Im Herbst der Patriarchen: Väterlichkeit und Demokratie in der frühen Bundesrepublik
15:30 Pause
15:40 Laura Moser, M.A. (Universität Heidelberg): „Der Mann fühlt sich provoziert und leistet Widerstand.“ Väter im Modellprojekt Tagesmütter (1974-1978)
16:40 Kaffeepause und Austausch
17:00 Dr. Peter Hallama (Universität Bern): Auf dem Weg zu sozialistischen Vätern? Theorie und Praxis der „Umerziehung“ der Männer in der DDR
18:00 Abschlussrunde 1. Tag
18:15 Ende
Dienstag, 21. September 2021
9:00 Anne Kremer, M.A. (Universität Mannheim): Vaterschaft in Gleichberechtigungsdiskursen der Industriegewerkschaft Metall zwischen 1970 und 1990
10:00 Pause
10:10 Hannah Schultes, M.A. (Universität Heidelberg): Arbeitszeitformen und väterliches Sorgehandeln in den 1980er Jahren der Bundesrepublik
11:10 Kaffeepause und Austausch
11:30 Abschlussvortrag: Prof. Dr. Diana Lengersdorf (Universität Bielefeld): Anders als der eigene Vater – soziologische Perspektiven auf den Wandel von Vaterschaft und Männlichkeiten
12:30 Abschlussrunde
12:45 Ende
OpenEdition schlägt Ihnen vor, diesen Beitrag wie folgt zu zitieren:
WhoCares-Blog (12. Mai 2021). Workshop: „Alltagsväter?“ Männliche Sorgebeziehungen in historischer Perspektive seit 1950. Who Cares? Abgerufen am 12. Oktober 2026 von https://doi.org/10.58079/p7zc



